Textilkombi mit raffinierter Belüftungstechnik

STADLER TREASURE PRO UND QUEST PRO IM PRAXISTEST


Von Dina Dervisevic - Motorradonline.de



Bei der Vorstellung der neuen Stadler-Textilkombi Anfang 2021 wussten wir bereits, dass der Anzug aus 3-Lagen-Laminat besteht, bei warmen Temperaturen luftig und leicht getragen werden kann und daher auch wasserdicht ist.


Im Praxistest wollen wir vor allem das neuartige Belüftungssystem intensiver ausprobieren. Es heißt SASS (Stadler Air Scoop System) und Stadler hat es zum Patent angemeldet. "Air Scoop" steht im Deutschen für "Lufthutze".


Textil-Winglets leiten Luft ins Innere


Per Reißverschluss lassen sich Bereiche an Armen, Oberkörper und Beinen öffnen, die sich dann im Fahrtwind aufstellen und wie eine Art Winglet Frischluft ins Innere an den Körper leiten. Insgesamt 8 dieser "Textil-Winglets" können sich in den Wind stellen. Sie befinden sich im Bereich der Arme, unterhalb der Arme, der Oberschenkel und den Schienbeinen. Am Rücken, an der Oberarmrückseite sowie an der Oberschenkel-Rückseite befinden sich jeweils Luftauslasskanäle. Die Testerin war ein paar Minuten damit beschäftigt, alle Reißverschlüsse für alle Öffnungen zu finden. Vor allem die Luftauslässe auf der Rückseite der Oberarme stöberte sie erst nach den ersten Kilometern auf. Sie lassen sich – genau wie die Entlüftungsöffnungen am Rücken – nicht während der Fahrt schließen oder öffnen. Alle Belüftungsöffnungen lassen sich jedoch auch während der Fahrt bedienen, die beiden unter den Armen nicht ganz so leicht wie die an Brust, Armen und Beinen.


Bereiche an Armen, Oberkörper und Beinen können sich in den Wind stellen und Frischluft in die Belüftungskanäle schaufeln.


Luftkanäle für effektive Kühlung


Das ganze System ist so konzipiert, dass nicht nur die Körperstellen belüftet werden, die sich unmittelbar unter der Öffnung befinden, sondern auch weitere Teile vom Fahrtwind gekühlt werden. Bei der Konstruktion wurde allerdings darauf geachtet, dass der Luftstrom nicht direkt an die Gelenke oder in den Bereich der Nieren geleitet wird. Denn wenn man erst einmal geschwitzt hat, beispielsweise beim Tankstopp, können diese Körperstellen besonders empfindlich auf Luftzüge reagieren.


Jacke im Praxistest


An der Jacke Treasure Pro befinden sich insgesamt 7 Belüftungsöffnungen – bis auf die beiden im Brustbereich und den Mesh-Einsatz am inneren Reißverschluss, können sich die anderen 4 Öffnungen im Fahrtwind aufstellen.


Unsere Testperson misst 1,58 Meter (Konfektionsgröße 34/36) und fährt unter anderem eine Yamaha MT-07 mit Tourenscheibe. Windschutz am Oberkörper ist also gegeben, aber nur minimal. Die Arme sind bei der Fahrt leicht gebeugt, sodass trotz Handprotektoren am Lenker viel Luft in die Öffnungen an den Unterarmen eindringt. Die Luft wird ins Innere weitergeleitet, bis sie auf der Oberarmrückseite durch die Entlüftungsöffnungen wieder austritt. Obwohl die Lufthutzen an den Armen der Testerin durch die Körper- und Jackengröße eher klein ausfallen, funktioniert die Kühlung an den Armen ausgesprochen gut.


Lufthutzen unterhalb der Arme: Der Luftstrom wird an den Achseln vorbei nach hinten Richtung Schulterblätter geleitet und hinterlüftet sogar den Rückenprotektor.


Besonders effektiv sind aber die Flügelchen, die sich seitlich am Oberkörper, unterhalb der Arme in den Fahrtwind stellen. Hierfür ist natürlich eine eher aufrechte Sitzposition förderlich und Arme, die nicht direkt am Oberkörper anliegen. Dann dringt der Fahrtwind erfrischend an der Seite ein, wird nach hinten oben geleitet, wo er den mitgelieferten Rückenprotektor hinterlüftet, um dann durch die Öffnungen im Bereich der Schulterblätter wieder auszutreten. Das ist wirklich eine Wohltat an heißen Tagen.


Und sollte es mal zu einem überraschenden Wolkenbruch kommen, brauch man sich nicht einmal Sorgen machen, dass das Wasser über die Belüftungskanäle ins Innere geleitet werden könnte. Dank einem Tape im inneren der Lufthutzen, bleibt die Kombi wasserdicht. Und damit sich das Wasser dann im Falle des Falles nicht in der Lufthutze staut, kann es über eine kleine Öffnung am tiefsten Punkt abfließen.


Und hier tritt die Luft wieder aus.


Hinzu kommen die beiden Öffnungen im Brustbereich und der Reißverschluss, der in einer "Sommerstellung" getragen und fixiert werden kann. Hier gilt – für die Stadler-Jacke genauso wie für alle anderen: Wenn der Windschutz auf dem Motorrad so effektiv ist, dass im Bereich der Brust erst gar kein Fahrtwind ankommt, können die Öffnungen selbstverständlich auch nicht für mehr Fahrtwind sorgen. Auf der MT-07 mit der kleinen Tourenscheibe kommt auf jeden Fall viel Wind an und sorgt durch die Öffnungen an der Jacke und die Sommerstellung der Blende für Erfrischung.


Hose im Praxistest


Auch an der Hose funktioniert das SAS-System zur Belüftung gut, vor allem, weil sich gleich 4 Lufthutzen in den Wind stellen. Auch hier gilt: Je größer die Hose ausfällt, desto größer können auch die Lufthutzen dimensioniert werden. Und klar ist auch, dass die Grenzen hier vor allem durch den ankommenden Fahrtwind und die Sitzposition gesetzt werden.


Je größer die Hose ausfällt, desto größer können auch die Lufthutzen dimensioniert werden.


Auf dem Naked Bike der Testerin klappt es mit dem Luftstrom entlang der Beine hervorragend. Durch die Öffnungen im Bereich der Schienbeine tritt Luft ein und kühlt sogar die Kniekehlen, während die Lufthutzen im Oberschenkelbereich eine erfrischende Brise Richtung Leiste schaufeln.

Besonderheiten Stadler Treasure Pro


Das raffinierte Belüftungssystem ist nicht das einzige, womit die Oberklasse-Textiljacke überzeugt. Jedes Detail scheint durchdacht. Beispielsweise die große Netztasche am Rücken, in der auch gerne mal nasse Handschuhe trocknen dürfen, denn das Material darunter ist wasserdicht. Die vorderen Taschen sind abnehmbar, an den Oberarmen befinden sich 2 zusätzliche Taschen, die Krageninnenseite schmeichelt der Haut mit einem überaus weichen Stoff, im Brustbereich findet sich schweißableitendes geripptes Futter, die Ärmel verfügen nicht nur über einen Klettverschluss, sondern auch einen Reißverschluss und ein Level 2-Rückenprotektor ist serienmäßig an Bord. Fast schon zum Standard bei Textiljacken gehören Armacor-Verstärkungen im Bereich der Schultern und Ellenbogen.


Blende auf Sommerstellung: Die Lasche mit dem äußeren Reißverschluss lässt sich seitlich fixieren. Durch das Meshgewebe kann der Fahrtwind blasen und der innere Reißverschluss sorgt dennoch für Sicherheit.